Weingarten ist Heimat von Menschen vieler Nationen. Wie empfinden Jugendliche und Heranwachsende das Miteinander in Weingarten? Was denken sie über die Vielfalt in unserer Stadt? Welche Erfahrungen haben junge Zuwanderer hier mit Vorurteilen gemacht? Seht selbst…

 

Jewgeni, 19
Ich bin in Rostow am Don in Russland geboren. 2002 sind wir nach Deutschland gekommen. Russisch und Deutsch sind meine Muttersprachen. In der Schule habe ich dann noch Englisch, Spanisch und Latein gelernt. Spanisch hat mich nie so richtig begeistert. Aber Latein war eines meiner Lieblingsfächer. Jetzt bringe ich mir Japanisch bei. Ich kann es zwar noch nicht so super gut, aber es geht. Ich finde die japanische Kultur sehr interessant. Ich schaue gerne japanische Filme. Und natürlich auch Animes.

Was mich als Person ausmacht? Ich bin ziemlich kreativ. In der Schule war ich in der Theater-AG. Ich bin gerne Schauspieler. Und ich spiele gerne Klavier. Mein Lieblingskomponist ist Robert Schumann. Ich komponiere auch selbst. Mein Traumberuf ist Komponist. Aber erstmal möchte ich Musiklehrer werden. Letztes Jahr habe ich mein Abitur gemacht. Seit September mache ich einen Bundesfreiwilligendienst beim Team Jugendarbeit Weingarten.
Eigentlich macht es für mich keinen Unterschied, woher jemand kommt. Aber ich merke, dass es doch etwas anderes ist, wenn ich mich mit jemandem unterhalte, der selbst auch einen russischen Hintergrund hat. Das ist irgendwie vertrauter. Man versteht sich einfacher.

Natürlich gibt es Vorurteile gegenüber Russen, zum Beispiel dass sie so viel Alkohol trinken. Da höre ich oft irgendwelche Witze. Aber davon fühle ich mich nicht wirklich angegriffen.

 

Leo, 22
Ich bin vor zwei Jahren nach Weingarten gezogen, um hier Soziale Arbeit zu studieren. In meiner freien Zeit mache ich, was mir so gerade in den Sinn kommt: Musik hören, malen, zeichnen, skaten, Fußball spielen oder einfach nur draußen chillen.

Gerade habe ich mein Praxissemester bei JuMeGa, Junge Menschen in Gastfamilien, gemacht und habe dort unbegleiteten minderjährigen Ausländern mit ihren Schwierigkeiten geholfen, die sie so haben. Sie tun sich mit der Sprache schwer und manche grundlegende Werte sind in Deutschland natürlich ganz anders. Sie haben den Wunsch, sich zu integrieren und sich hier eine Zukunft aufzubauen. Viele haben sich schon einen Freundeskreis aufgebaut und fühlen sich hier zu Hause.

An sich sind es doch junge Menschen wie wir, mit denselben Interessen. Aber fast alle haben Angst vor der Zukunft: Bekomme ich Asyl? Werde ich hier geduldet? Und bei einigen ist auch der Frust gewachsen aufgrund der vielen Schwierigkeiten mit dem Bürokratie-Alptraum.

Vielfalt ist richtig geil und bringt immer was Neues mit sich. Man lernt dabei viel über sich selbst, da man sich durch die Interessen und Werte von anderen immer wieder hinterfragt. Das ist mega wichtig und viele verschließen sich davor und verbauen sich dadurch etwas. Klar, man kann auch mal schlechte Erfahrungen machen. Aber wenn man offen ist, kann man davon echt profitieren.

 

Ali, 18
Meine Eltern sind als Kriegsflüchtlinge aus dem Libanon nach Deutschland gekommen. Ich bin hier geboren. Ich mache gerade eine Ausbildung zum Maler und bin fast fertig damit.

Mit zwölf Jahren habe ich angefangen, Musik zu machen, eigene Texte zu schreiben, um einfach mal den Alltagsstress irgendwie zu verpacken. Seit zwei Jahren bin ich mit Freunden im Tonstudio vom Team Jugendarbeit mit dabei und seit einem Jahr nehme ich dort eigene Sachen auf. Mir ist es wichtig, dass ich mit meinen Songs eine Message an die Menschen bringe. In meinen Texten geht’s oft um Menschenrechte, zum Beispiel um das Thema Flüchtlinge.

Das Boot ist nicht voll, denn wir sitzen alle im selbem Boot. Wir leben alle auf einem Planeten und wenn wir nicht miteinander klarkommen, wie soll es dann je Frieden auf der Welt geben? Jeder Mensch ist auf seine Art einzigartig und besonders. Und jeder Mensch darf sich so entfalten, wie er will, solange er damit keine anderen Menschen ausgrenzt. Es ist doch egal, ob ich aus dem Libanon komme, aus Deutschland oder sonst woher. Letztendlich bin ich ein Mensch, so wie jeder andere.

 

Chiara, 17
Nächstes Jahr mache ich mein Abi und danach würde ich gerne in Amerika studieren. Deshalb habe mich jetzt für ein Stipendium beworben. In meiner Freizeit bin ich Leistungsschwimmerin. Das nimmt so gut wie meine ganze Freizeit ein. Da habe ich fünf Tage die Woche Training und am Wochenende Wettkämpfe. Sonst spiele ich noch Klavier und gehe ins Kunstturnen.

Ich bin seit 2015 im Jugendgemeinderat dabei.
Da planen wir Projekte und leiten diese an denGemeinderat weiter. Der entscheidet dann, ob wir das machen dürfen oder nicht. Dieses Jahr ist jetzt mal ein neues Fußballfeld auf der Liste.

Am Gymnasium haben wir Schüler aus sehr vielen Nationen. Deswegen sind auch viele meiner Freunde aus verschiedenen Ländern. Wir haben an unserer Schule die Aktion „Weihnachten für Flüchtlinge“ gemacht. Da haben wir Stofftiere, Klamotten, Bücher und Spielsachen für die Flüchtlinge hier in Weingarten gesammelt. Die Spenden haben wir ihnen zu Weihnachten übergeben. Es war schön zu sehen, wie die kleinen Kinder sich voll gefreut haben. Alle Menschen sind gleich und jeder hat die gleichen Chancen verdient. Aber das ist ja logisch.

 

Sagar, 23
Ich bin 2013 aus Indien nach Deutschland gekommen und habe hier an der Hochschule Ravensburg-Weingarten Elektro- und Informationstechnik studiert. Jetzt mache ich dort meinen Master-Abschluss in Mechatronik. Danach werde ich mich nach Jobmöglichkeiten umsehen. Ich möchte auf jeden Fall in Weingarten bleiben.

In meiner Freizeit spiele ich gerne Computerspiele,
aber auch Volleyball, und ich gehe oft Schwimmen. An der Hochschule gibt es viele Studierende aus Indien. Im Sommer spielen wir gemeinsam Cricket im Park.

Ich hatte mir zuerst überlegt, ob ich den Master-Abschluss irgendwo anders machen soll. Aber ich wollte Weingarten nicht verlassen. Ich habe hier gute Kumpels und kenne viele Leute. In den ersten Semestern kannte ich fast nur andere ausländische Studierende. Aber dann habe ich viele deutsche Freunde gefunden. Als ich größere Städte in Deutschland besucht habe, ist mir aufgefallen, dass die Menschen sich auf der Straße nicht grüßen. Das ist in Weingarten nicht so.

In Weingarten habe ich keine schlechten Erfahrungen aufgrund meiner Herkunft gemacht. Ich fühle mich hier wie zu Hause. Weingarten ist meine zweite Heimat geworden. Die Studierenden an unserer Hochschule kommen aus verschiedenen Ländern. Sie leben zusammen, studieren zusammen und feiern zusammen. Das ist mega cool.

Internationale Wochen gegen Rassismus 2018

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Realschulrektorin Melita Paul im SPIN TALK

SPIN ZINE TALK stellt Menschen in den Mittelpunkt, die im öffentlichen Leben stehen, kulturell oder künstlerisch tätig sind oder sonst irgendwie interessant sind. In unserer aktuellen Reihe dreht sich alles um die Themen #Demokratie #Meinungsfreiheit und #Deutschland. Wir bedanken uns bei der sympathischen Rektorin für den SPIN ZINE TALK!

Durchs Klicken aufs Realschul-Logo, kommt ihr direkt zum YOUTUBE-VIDEO!

 

 

 

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Entweder oder mit Tilmann Waldvogel

Tilmann Waldvogel hat seine Begabung zum Beruf gemacht. Der Freiburger, der aus unserer Region stammt, illustriert in Freiburg für Business und seine eigenen Kollektionen und Ausstellumgen. SPIN hat ihn ihn Freiburg besucht. An seinem Arbeitsplatz, der „Alten Blechnerei“. Ein ausführliches Interview wird es in der Printausgabe #3 geben. Hier im Shorty-Clip seht ihr ein „Entweder oder?“, das Weingartens Rap-Held Gjenet SK mit dem Künstlerkollegen durchgeführt hat!

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SPIN-TALK zwei.null

SPIN-TALK zwei.null mit Mehmet Aksoyan (Tavir e.V) zum Thema Demokratie

SPIN.TALK zwei.null mit Agnieszka Brugger (MdB) zum Thema Demokratie

SPIN-TALK zwei.null mit Ramo Ali (Schauspieler) zum Thema Demokratie

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