Mit Chrissy beim Linseneintopf

Chrissy sitzt allein und in sich gekehrt in der Linse. Ich begrüße sie. Chrissy, das ist deutlich, ist in der Phase des Sammelns. Die Vorbereitung auf den Auftritt bei der Mixed Show im Kulturzentrum Linse. Gleich wird Markus Zink die Bühne betreten, das Publikum auflockern und seinen ersten Zauberkollegen ankündigen. Gigi ist zwölf, kommt aus Baienfurt und beherrscht das Spiel mit der Täuschung überzeugend. Seine Nummer ist auf Musikbegleitung einstudiert. Gigi braucht keine Worte, um sein Spiel mit Tüchern, Seilen und überdimensionalen Karten flashig auf die Bühne zu bringen. Markus Zink betont, dass heute keine Profis auf der Bühne stehen. Eine Einschätzung, die auf den anderen Magier des Abends sicher nicht zutrifft. „Freddy Fragezeichen“ hat einen abgeklärten Umgang mit dem Publikum, überzeugt durch Timing und kreative Ideen im präsentieren bekannter Zauberprinzipien. Ein Stilmittel, das beim Publikum sehr gut ankommt. Zwischen Gigi und der Zirkusschule Friedrichshafen, die unter der Leitung von Andrea Sprenger eine coole Jonglage-Nummer einstudiert hat, kommt Chrissy. Schillernd, glitzernd und das Publikum mit ihrer Emotionalität gewinnend. Man merkt ihr die Leidenschaft an, die alle Kunstschaffenden zu Getriebenen macht. Sie immer wieder auf die Bühne treibt.
Alphorn Kurt braucht viel Schwäbisch, Voralpenländische Vibes und ein abartig großes Alphorn, um mit der Trockenheit und dem natürlichen Witz zu überzeugen, der unsere „ländliche Region“ für viele so liebenswert macht. Man atmet Oberschwaben und fühlt das Allgäu förmlich. Markus Zink baut zwischen den Acts Film-Quiz-Parts ein. Prinzip: Bilderrätsel. Von kreativ-genial bis gewollt-plump. Das Publikum feiert und amüsiert sich köstlich. Eine junge Sängerin aus der Nähe von Bergatreute hat er auf einem privaten Facebook-Profil entdeckt, lädt diese prompt zur Show ein. Dieser „raus aus dem Keller, rauf auf die Bühne“- Impuls ist es, die den Linseneintopf zu einer sehr charmanten Veranstaltung machen. So ist auch die Szene der Linse eigenen Jugendtheatergruppe ein Beleg dafür, dass Schüler Theatererfahrung auch außerhalb schulischer Kontexte machen können. Die „Winter-Welfen“ aktivieren die Zuschauer mit der Szene um eine gestohlene Halskette. Die darin vorkommenden Polizisten spielen dabei ihre Schwäbisch-Kenntnisse voll aus. Die Zirkusschule beendet das Ganze mit einer imposanten Poi-Feuershow. Fantastisch, dass die Linse solche Formate designt, die Authentizität und begeisternde Emotionen zulassen. Fantastisch, dass ich Chrissy heute in diesem Rahmen erleben durfte.

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