Handball is coming home

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Nach 2007 stand die nächste Heim-Weltmeisterschaft im Männerhandball an. In den ersten Spielen löste die deutsche Mannschaft wieder das Gefühl von vor 12 Jahren aus, als Deutschland Weltmeister wurde. SPIN ZINE Sportreporter Alex war live bei der Hauptrunde in Köln und gibt ein Fazit dieser Heim-WM.

Vorfreude und Gruppenphase… Ein ganzes Jahr freute ich mich auf die Weltmeisterschaft. Die Vorfreude begann, als ich mir die Tickts aller Spiel in Köln besorgte. Die WM kam mit jedem Tag näher. Irgendwie überraschte mich aber, dass nur wenig über die Heim-WM gesprochen wurde und nur unter uns Handballern die Freude auf die Heim-Weltmeisterschaft zu verspüren war. Für mich war es ein ganz besonders Event. Dann begann sie endlich, die 26. Handball Weltmeisterschaft, mit dem Eröffnungsspiel Deutschland gegen Korea am 10. Januar in Berlin. Korea trat zum ersten Mal als vereintes Korea auf. Das dies ganz besonders war, merkte ich auch vor dem TV. Es ging bei Korea nicht nur um das Sportliche. Das Eröffnungsspiel diente zur Verbindung der Fans und Mannschaften zum Auftakt dieser WM. Deutschland gewann dieses verbindende Spiel deutlich. Ein geglückter Auftakt in diese Weltmeisterschaft. Nach genau 48 Stunden stand das DHB-Team wieder auf der Platte. Diesmal gegen ein einschätzbares Brasilien. Brasilien verlor am vorherigen Tag nur mit zwei Toren gegen den damals noch amtierenden Weltmeister Frankreich. Aber Deutschland war vom Bundestrainer Propkop sehr gut eingestellt. Sein Team spielte in den 60 Minuten ihren Stiefel runter und zwang Brasilien zu Fehlern. Aber Ende wurde das Spiel ebenfalls klar und deutlich gewonnen. Jetzt merkte jeder, dass bei unserer WM unser Team sehr weit kommen kann. Der Gegner Russland im nächsten Spiel sollte dies bestätigen. Wieder trat Prokops Team souverän an, Russland hielt aber bis zum Ende dagegen und konnte am Ende die Fehler der Deutschen ausnutzen und so sich das Unentschieden sichern. Aber es war kein Knick im deutschen Spiel am nächsten Tag gegen Frankreich zu erkennen. Die deutschen Spieler steckten das Unentschieden sehr gut weg und waren gegen den Weltmeister lange Zeit in Führung, bis auf die letzten drei Sekunden. In dieser Zeit erzielte die Auswahl aus Frankreich den Ausgleich. Wieder nur Unentschieden und wieder die Führung verspielt. Das muss doch deprimierend sein?! Aber das war es nicht, im Gegenteil. Deutschland, die auf Grund des Unentschiedens schon in der nächsten Runde waren, spielte gegen Serbien das, was sie in den ersten vier Spielen auch gespielt haben, guten ansehnlichen Handball. Sie gewann wieder klar, und diesmal gegen den WM-Dritten von 2017, Serbien. Das löste nochmal einen Schub aus bevor es von Berlin nach Köln ging.

Alex vor der Lanxess Arena

Jetzt auch live dabei… Auch ich fuhr nach Köln. Und neun Tage nach dem ersten Spiel des deutschen Teams durfte ich live in der Lanxess Arena von Köln dabei sein. Die deutsche Mannschaft spielte um 20:30 Uhr, davor spielte Frankreich gegen Spanien. Zu diesem Spiel nahmen mein Freund und ich unsere Plätze unter dem Arenadach ein. Die Arena füllte sich im Laufe des Spieles, die Stimmung steigerte sich von Minute zu Minute. Im Laufe der zweiten Halbzeit traf auch die deutsche Nationalmannschaft ein. In der Stunde nach dem Frankreich-Spiel und vor Deutschland gegen Island versorgten wir uns kurz mit Getränken und Essen. Wir genossen die überragende Stimmung in der Lanxess Arena. Eine gute halbe Stunde vor dem Anpfiff der deutschen Mannschaft sahen wir keine leeren Plätze mehr. Die ausverkaufte Lanxess Arena mit 19 250 Zuschauern war heiß, als das DHB-Team zum Aufwärmen auf die Platte kam. Der Geräuschpegel war sehr hoch, aber fühlte sich gut an. Der offizielle WM-Song für das DHB-Team, „Chöre“ von Mark Forster wurde in der Halle gespielt. Alle sangen mit. Es war für mich ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe schon sehr viel erlebt an Sportveranstaltungen, aber solche Stimmung noch nie. Auch mein erster Besuch im Fußballstadion mit neun Jahren wurde klar übertrumpft. Das alles wurde noch durch die Nationalhymne getoppt. Die Stimmung hielt sich das ganze Spiel. Unser Team spielte gegen den vermeidlich schwächsten Gegner der Hauptrunde, Island, sehr souverän und gewann am Ende mit fünf Toren Unterschied. Island hielt nur in den ersten 20 Minuten dagegen.
Am nächsten Tag hatte Deutschland spielfrei. Trotzdem ging ich in die Arena, um guten Handball zu schauen. Ich sah das Platzierungsspiel um den 13. Platz: Katar gegen Russland. Die Männer aus Katar gewannen überraschend. Aber das war nicht die einzige Überraschung des Tages. Der klare Außenseiter Brasilien gewann gegen den größten deutschen Konkurrenten Kroatien. Damit stand fest, wenn unser Team morgen gegen Kroatien gewinnen würde, stände der Gastgeber im Halbfinale. Frankreich qualifizierte sich noch am Abend gegen Island für das Halbfinale in Dänemark. Mit voller Vorfreude auf das Deutschland-Spiel sah ich mir am Montag um 18 Uhr das Spiel Spanien gegen Brasilien an. Komischerweise zeigte sich ein erneuter Leistungs-Einbruch bei den Brasilianern, wie es schon gegen das deutsche Team der Fall war. So gewann Spanien deutlich und hoffte, dass Kroatien mindestens ein Unentschieden gegen Deutschland holt, um überhaupt noch eine Chance aufs Halbfinale zu haben. Für die Teilnahme der Kroaten am Halbfinale musste Kroatien selbst gewinnen. Die Stimmung stieg bis zum Anpfiff des entscheidenden Spiels Kroatien gegen Deutschland immer mehr an. Auch die kroatischen Fans waren nicht wenige, trotzdem überwiegten die deutschen Fahnen. Es wurde wieder bei den Hymnen sehr emotional. Wenige Minuten später begann ein sehr hitziges Spiel. Das merkten alle in der Halle ab der ersten Minute. Beide Fanlager haderten mit den Schiedsrichterentscheidungen, die meiner Meinung das ganze Turnier in allen Spielen zu kleinlich gepfiffen haben. Der Geräuschpegel war jetzt wieder auf höchster Höhe. Die Kroaten und die Deutschen schenkten sich überhaupt nichts. In der neunten Minute explodierte die Arena förmlich. Der Spielmacher von Deutschland, Martin Strobel, musste per Trage aus der Arena getragen werden. Das Team von Trainer Propkop ließ sich von dem schmerzlichen Ausfall aber nicht unterkriegen. Sie lieferten sich mit Kroatien einen unerbittlichen Kampf. Erst eine Viertelstunde vor Schluss konnte sich die deutsche Nationalmannschaft mit drei Toren absetzen. Die Euphorie unter den Zuschauern war sehr groß. Sie feierten schon den immer wahrscheinlicher werdenden Halbfinaleinzug. Aber der war ganz und gar nicht sicher, denn die Kroaten bissen sich wieder ran und gingen sogar fünf Minuten vor Schluss in Führung. Deutschland lernte aus den Spielen gegen Russland und Frankreich und nach zwei erfolgreichen Abwehrreaktionen ging das DHB-Team in Führung. Deutschland spielte jetzt taktisch die Zeit herunter. Aber die Kroaten hatten beim Stand von 22:21 mit Ablauf der Zeit noch einen direkten Freiwurf direkt hinter der Mittellinie. Dieser war aus meiner Sicht ungefährlich, trotzdem ging ein en Raunen durch die Arena. Ich war überrascht, dass der Freiwurf durch den deutschen Block aufs Tor ging. Aber der Ball ging nicht an unserem Super-Keeper Andi Wolff vorbei und somit zog Deutschland in das Halbfinale in Hamburg schon vor dem Spanien-Spiel ein. Die ausverkaufte Lanxess Arena war im Jubelrausch und feierte den Halbfinaleinzug. Noch lange blieben wir in der Arena um mitzufeiern. Auf dem Heimweg gingen die Feierlichkeiten dann in der Sportsbar nebenan weiter. Am nächsten Tag war spielfrei. Am Mittwoch waren wir schon sehr früh am Arenen Gelände, denn dort war die Fan Zone. In der Fan Zone wurden verschiede Handballübungen aufgebaut, zum Beispiel Werfen auf Ziele oder Tippings, auch eine Relpiquie des Champions League Pokals war ausgestellt. Um 15 Uhr waren wir dann zum Spiel Brasilien gegen Island pünktlich in der Halle. Beide Teams waren schon ausgeschieden. Trotzdem sahen wir ein ansehnliches Spiel. Im darauffolgenden Spiel spielten die auch schon ausgeschiedenen Kroaten sehr, sehr gut gegen Frankreich. Der Weltmeister verlor sogar und hatte nur noch eine Chance auf Platz 1 in der Gruppe, wenn Deutschland im letzten Spiel von Köln gegen Spanien mit acht Toren Unterschied verliert. Das war sehr unwahrscheinlich, weil die DHB-Auswahl ein sehr gutes Turnier bis dahin spielte. Im letzten Spiel in der Rheinmetropole traf das Team von Prokop auf die Auswahl Spaniens. Es ging um rein gar nichts. Trotzdem gaben beide Teams in der gesamten Spielzeit alles. Am Ende wurde es wieder knapp. In der letzten Minute hielt Torwart Silvio Heinevetter den Sieg fest. Es war wichtig noch einmal so ein knappes Spiel für sich zu entscheiden. Das gab Sicherheit für das Halbfinale am Freitag in Hamburg. Nach dem späten Spiel traten wir die Heimreise nach Weingarten an. Auf der Heimreise dachte ich über die grandiose Stimmung in ganz Köln nach.

Enttäuschung pur… Jetzt war ich gespannt, wie die WM weit ab von den Spielorten aufgenommen wird. Es war überraschend. Alle sprachen jetzt über Handball und das kommende Halbfinale. Die Nachricht, das dass Halbfinale in der Linde und immer Schinderhannes übertragen wurde, erfreute mich sehr. Der TV Weingarten kündigte ein Public-Viewing zum Finaltag in der Großsporthalle an. Aber erstmal schauten meine Freunde und ich das Halbfinale gegen Norwegen. Es war ein nervenaufreibendes Spiel. Norwegen war sehr gut eingestimmt, unser Team kam irgendwie nicht so richtig in Fahrt. Es lief nicht viel zusammen auf allen Positionen. Zwar hielt Deutschland lange Zeit dagegen, aber es ging mit einem 2-Tore Rückstand in die Pause. Da plagte mich schon ein schlechtes Gefühl, denn das DHB-Team lag noch nicht zur Halbzeit im gesamten Turnierverlauf zurück. Trotzdem hofften wir. Aber Norwegen war einfach überlegen und spielte das clever runter und als Deutschland an einen möglichen Ausgleich herankam, wurden sie nervös. Alle Hoffnungen wurden spätestens in der 58. Minuten getrübt, als die Norweger mit vier Toren gingen. Nicht nur in Hamburg oder in der Linde, sondern wohl in ganz Deutschland machte sich eine Trauer breit. Aber wir wussten sofort, dass Norwegen in diesem Spiel einfach besser war und unser Team nicht das abgerufen hat, was sie eigentlich können. Neben der Trauer wussten wir, aber auch, wie viel Freude uns die deutsche Mannschaft bereitete und war glücklich über dieses grandiose Turnier, dass noch nicht vorbei war. Denn Deutschland spielte am Sonntag noch in Hering (Dänemark) noch um die Bronze-Medaille. Das Spiel um Platz drei ist irgendwie immer undankbar, aber für die deutsche Nationalmannschaft und deren Fans, darunter auch ich, nicht. Es brach in mir die Stimmung der Fußball Heim-WM 2006. In dem Spiel um Platz drei belohnte sich die DFB-Elf für ein ganz tolles Turnier. So wollte es auch das DHB-Team gegen den Ex-Weltmeister Frankreich machen. Alle Fans feuerten das DHB-Team auf den Sozialen Netzwerken an. Am Sonntag, den 27.01, war es dann soweit: Finaltag in Hering (Dänemark). Ich freute mich so, wie auf alle Spiele der deutschen Mannschaft, vielleicht noch ein bisschen mehr. Jede Stunde kam das kleine Finale immer näher. Als es los ging, bekam ich sofort den Eindruck das das Deutsche Team unbedingt die Bronzemedaille wollte. Mit einem 4 Tore Vorsprung nach Ende der ersten Halbzeit legte das Team ein Grundstein für den möglichen Sieg. Leider verspielt die Mannschaft von Trainer Prokop den Vorsprung schnell, Frankreich schaffte es in Führung zu gehen. Bis zur 58. Minute blieb der Weltmeister von 2017 in Führung. Dann erst schaffte Deutschland den Ausgleich. Im nächsten Angriff bekam das Team aus Frankreich einen 7m, und Uwe Gensheimer wurde in der gleichen Aktion eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe erteilt – für mich unverständlich. Trotzdem bekam Frankreich keinen Vorsprung zustande. Silvio Heinevetter parierte in der letzten Spielminute glänzend, und so hatte Deutschland die Chance auf das Siegtor, aber sie vertändelten den Ball. Frankreich schoss in der letzten Sekunde den Siegtreffer. Die Enttäuschung war bei den Spielern klar zu erkennen, auch ich war fassungslos.

Super happy… Nach zwanzig Minuten konnte ich die WM Review passieren lassen. Ich war stolz auf unser Team. Sie haben in neun Spielen (ohne Halbfinale) Weltklasse Handball gezeigt und sich damit wieder zur Weltspitze etabliert. Das Team hat dadurch den Handball wieder nach Deutschland gebracht und einen richtigen Boom ausgelöst. Dieser Boom wird meiner Meinung nach auch länger halten. Ich werde die zwei Wochen nie vergessen, es war einfach grandios. Herzlichen Glückwunsch an den neuen Weltmeister Dänemark. Dänemark gewann alle zehn Spiele und das Halbfinale und Finale deutlich. Sie sind momentan die beste Mannschaft der Welt.
Danke dem DHB-Team für die richtig super Spiele.
Danke dem Weltverband IHF, die WM hier in Deutschland auszurichten.
Danke der Lanxess Arena in Köln für die einzigartige Kulisse!

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